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Zurückliegender Oberkiefer

Die Rücklage des Oberkiefers, auch maxilläre Retrognathie, manchmal fälschlicherweise auch Progenie genannt, ist in der Regel durch ein Wachstumsdefizit des Oberkiefers bedingt und ist eine relativ häufig vorkommende Kieferfehlbildung (Dysgnathie). Das Ziel der Behandlung von Oberkieferrücklagen ist eine ordentliche Kiefer- und Zahnstellung, mit deren Hilfe ein lebenslanges normales Kauen, der Schutz der Zähne, des Zahnhalteapparates und der Kiefergelenke gewährleistet sein soll. Das Behandlungskonzept beginnt in der Regel zunächst mit einer kieferorthopädischen Vorbehandlung durch Ausformen der Zahnbögen, bevor mit Hilfe eines operativen Eingriffes anschließend der Oberkiefer nach vorne verlagert wird. Zuletzt schließt sich die kieferorthopädische Nachbehandlung mit der sog. Feinjustierung und der Retentionsphase an.



Operativer Eingriff

Die operative Oberkiefervorverlagerung erfolgt unter stationären Bedingungen in Vollnarkose. Auch diese Operationsmethode wurde weitgehend von Prof. Paulus entwickelt (über diese Methode erfolgten über Jahre hinweg zahlreiche Veröffentlichungen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften sowie auf entsprechenden Fachkongressen).
Der Operationszugang erfolgt über einen Schnitt vom Zahnfleisch des Oberkiefers aus, so dass keine Narben im Gesicht entstehen. Der Oberkiefer wird dann knöchern gelöst und nach vorne verlagert. Anschließend wird der Oberkiefer mit Hilfe von je einer Miniplatte und Schrauben rechts und links stabilisiert, nachdem der Biss mit einem Bissschlüssel (Splint) in der gewünschten Position eingestellt wurde. Platten und Minischrauben sind aus dem sehr gut verträglichen Metall Titan und müssen nicht mehr entfernt werden.Bedingt durch den so stabilisierten Oberkiefer kann auf eine Drahtverschnürung nach der Operation vollständig verzichtet werden. Im Gegensatz zu anderen Operationsmethoden kann der Mund unmittelbar nach dem operativen Eingriff sofort geöffnet werden; auch der Bissschlüssel muss nach der Operation nicht mehr getragen werden. Somit können die Patienten nach der Operation sofort sprechen und auch entsprechende Mundhygiene betreiben. Der Eingriff wird von den Patienten erstaunlich gut vertragen; in der Regel entstehen bis auf schmerzlose Schwellungen im Gesicht keine größeren Beschwerden. Die Nahrungsaufnahme ist in den ersten Stunden nach der Operation flüssiger Natur, nach kürzester Zeit erfolgt jedoch bereits die Umstellung auf weiche Kost. Nach einer Woche vollkommen freier Mundöffnung werden die Zähne, die Muskulatur und die Kiefergelenke mit Hilfe von nur wenigen Gummizügen an die neue Position gewöhnt. Mit dieser von Prof. Paulus entwickelten, sog. semirigiden (halbstarren) Knochenverschraubung und des darauf beruhenden Nachbehandlungskonzeptes, ergeben sich stabile Ergebnisse, so dass in der Regel nach 6-8 Wochen die kieferorthopädische Feineinstellung begonnen werden kann.

Ähnliche Eingriffe am Oberkiefer sind erforderlich bei folgenden Kieferfehlstellungen:



Zu schmaler Oberkiefer
Zu breiter Oberkiefer
Zu langer Oberkiefer (zu viel Zähne und zu viel Zahnfleisch beim Lachen sichtbar - "gummy-smile")
Zu kurzer Oberkiefer (zu wenig Zähne sichtbar)
Offener Biss (kein Überbiss, Klaffen der vorderen oder der seitlichen Zähne)
Asymmetrischer Kiefer